Hans Kunze
Lebensdaten
Hans Kunze
06. August 1928 – 25. Juli 2020
Der Komponist, Arrangeur und Musiker Hans Kunze wohnte in den 1940er- und 1950er-Jahren in der jetzigen Dölauer Stadtforststraße 52. Geboren wurde er am 06.08.1928 in Naumburg. Dort absolvierte er seine Schulausbildung und begann auf Drängen des Vaters eine Verwaltungslehre. Bereits im Kindesalter entwickelte sich in ihm eine Leidenschaft für die Musik. Einmal in der Woche nahm er Akkordeonunterricht und nach anfänglichem autodidaktischem Klavierspiel konnte er sein musikalisches Können durch Klavierunterricht vervollkommnen. Mit Sicherheit war dieses musikalische Interesse auch ein Ergebnis seines Umfeldes.
Zitat aus dem Buch
In seinem Buch „Hands up oder es knallt“ schreibt Hans Kunze:
„Besonders in der Herbst- und Winterzeit wurde in unserer Familie viel musiziert. Wir versammelten uns im Wohnzimmer. Die Eltern brachten neue Lieder aus ihrem Gesangsverein mit nach Hause. Gretel (Schwester) spielte Gitarre und ging auch zum Unterricht.“
Dölau und Krieg
Als seine in Dölau lebende Großmutter kränkelte und Hilfe benötigte, zog Familie Kunze noch während des Zweiten Weltkrieges nach Dölau. Für ihn bestand hier zumal die Möglichkeit, seine Lehre am Landratsamt in Halle fortzusetzen. Doch noch im Januar 1945 erhielt der 16-Jährige einen Einberufungsbefehl.
Im Vorwort des bereits erwähnten Buches sind die folgenden Jahre wie folgt beschrieben:
„Vier Wochen ist er zur Ausbildung, als man ihn und seinesgleichen nach Hause schickt. Es ist April 1945, die Fallschirmjägerschule in Gardelegen löst sich auf. Nunmehr beginnt für den Halbwüchsigen eine mehrjährige Kriegsgefangenschaft, die auf den Rheinwiesen ihren Anfang nimmt, über Belgien schließlich zu einem Minenräumkommando in Holland führt. Dort gründet der Akkordeonspieler eine Band, die Hot Five. Kunze überlebt mit der Musik, aus der er nach seiner Rückkehr seinen Beruf machen wird.“
Studium mit Thate
Täglich führte ihn sein Weg von Dölau nach Halle. Hier studierte er an der Hochschule für Theater und Musik. Diese Zeit schildert er mit folgenden Worten in seinem Buch:
„Wenn wir (hier meint er Hilmar Thate, der schräg gegenüber seines Elternhauses wohnte und einer der bekanntesten Theaterschauspieler wurde) uns zu Fuß in die Stadt begaben, also nach Halle marschierten, liefen wir ein Stück durch die Dölauer Heide. … Während sich Hilmar mit den Bühnenklassikern beschäftigte, hatte ich irgendwelche Melodien im Kopf. Tonfolgen und Rhythmen verschiedener Art waren unablässig in meinem Kopf. Mein Gehirn war mein Instrument, ich konnte ja nicht mein Akkordeon mitschleppen, es war zu schwer und der Weg zu weit.“
Karriere
Als Komponist, Arrangeur und Musiker sollte er in seinem Leben mehr als 650 Schlager, Filmmusiken, Musicals (u. a. „Heute Nacht kommt Conny“) und größere Orchesterwerke komponieren. Diese Kompositionen schrieb er unter anderem für Dagmar Frederic, Hartmut Eichler, Peter Wieland, Petra Kusch-Lück, die Amigos, Roland Neudert, Siegfried Koenig, Bisser Kirow, den Günter Oppenheimer-Chor, Bärbel Wachholz, Fred Frohberg, Vera Schneidenbach, das Große Tanzstreichorchester des Deutschlandsenders, Vaclav Neckar und weitere Sänger.
Unter anderem schrieb er 1959 „Die alte Ballmelodie“, die zu einem Erfolg wurde. Bald darauf tourte er einige Jahre mit eigenen Bands durch das Land und widmete sich der Theaterarbeit. Für den DEFA-Film „Spur der Steine“ steuerte er 1966 drei Kompositionen bei und 1968 wurde sein erstes Musical „Heute Nacht kommt Conny“ in Brandenburg/Havel uraufgeführt. Auch nach 1990 komponierte Hans Kunze Melodien für Film, Fernsehen und für den Schlagergesang.
Tod und Quellen
Wann Hans Kunze seinen Wohnsitz in Dölau aufgab, konnte zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau ermittelt werden. Die letzten Jahre lebte er im Potsdamer Stadtteil Fahrland. Er verstarb am 25. Juli 2020 und wurde auf dem Neuen Friedhof in Potsdam beigesetzt.
(B. W., Januar 2025)
Quellen:
1) Hans Kunze, Hands up oder es knallt, Verlag am Park, Berlin 2008
2) Autorenverzeichnis der Eulenspiegel Verlagsgruppe
3) www.ddr-tanzmusik.de/index.php/Hans_Kunze
4) Fotoabdruck mit freundlicher Genehmigung der edition ost Verlag und Agentur GmbH, Berlin
