Streitgespräch mit Beigeordnetem für Stadtentwicklung und Umwelt Uwe Stäglin

Auf Einladung der SPD-Stadtratsfraktion trafen sich am Montag, dem 08.04.2013 zahlreiche Dölauer im Gemeindesaal der evangelischen Gemeinde, um Meinungen über das seit Jahren existierende Projekt einer Kaufhalle im Zentrum von Dölau auszutauschen. Die Politiker der SPD- Fraktion wiesen darauf hin, dass sie den Eindruck hätten, dass ein tiefer Riss durch Dölau

gehen würde und der Baubeigeordnete erklärte die Notwendigkeit, dass zunächst die unterschiedlichen Standpunkte erfasst werden müssten, ehe man frühestens im Herbst einen Stadtratsbeschluss herbeiführen und dann für das nächste Jahr die entscheidende Planungsphase einleiten könne. In der sehr lebhaft geführten Diskussion zeigte sich die jedoch sehr schnell, dass es den Politikern offenbar eine willkommene Rechtfertigung für die weitere Verzögerung der Umsetzung dieses immerhin seit zwei Jahrzehnten geforderten Projektes bot, wenn teils stark emotional geführt wechselseitig Vorwürfe erhoben werden.

Dabei wäre es im Interesse aller Dölauer, wenn sie sich gemeinsam in einer breitesten Bürgerbewegung „Wir für Dölau“ zusammenfinden und gemeinsam für eine Verbesserung im schon räumlich durch die Heide stark an die Peripherie gedrängten Ortsteil kämpfen und nicht unter dieser Losung ein Projekt ablehnen.

Denn es zeigte sich sehr schnell, dass es nicht einen einzigen Redebeitrag gab, der die Versorgungssituation in Dölau als befriedigend bezeichnete. Die weit am Ortsrand errichtete Nettokaufhalle ist nicht nur für Rentner zu Fuß nicht zu erreichen, sondern die meisten Dölauer müssen zum Einkaufen dann trotzdem das Auto benutzen und suchen dann doch in der Umgebung andere Einkaufsalternativen. Außer Bäckerei Pohl und der Gemüsehandlung Berkes gibt es keinen kleinen Lokalversorger. Der Bäckermeister wird wohl völlig unabhängig von der weiteren Entwicklung immer durch seine Handwerksqualität überzeugen und seine Kunden finden, ist jedoch ebenso wie Familie Berkes, die seit Jahrzehnten in hoher Qualität und viel Engagement Obst und Gemüse anbietet, rein räumlich nicht in der Lage, die Wochenendeinkäufe der Dölauer abzusichern.

Auch ist es müßig, darüber zu lamentieren, dass man nach der Wende die Chance bei mehreren Alternativstandorten verpasst hat. Unbestritten ist die als frühere Straßenbahnwendeschleife freigehaltene Fläche in der Alfred-Oelßner-Straße der einzige mögliche Standort. Wenn sich die Dölauer also zusammenfinden könnten, bis hierhin eine gemeinsame Sprache zu sprechen, könnten sie die Verwaltung zu schnellerem Handeln drängen und würden auch den Investor überzeugen, dass es sich lohnt, mit den Dölauern nach einer optimalen Variante zu suchen. Dass unmittelbar angrenzende Bewohner Vorbehalte gegenüber einem Parkplatz von über 50 Stellplätzen hegen, ist nachvollziehbar.

Alle, die jedoch dort wohnen bzw. dorthin gezogen sind, wissen seit Jahrzehnten, dass dort kein Bürgerpark entsteht, der sicherlich aber auch bei Anliegern auf Vorbehalte stoßen würde. Insofern ist das Bemühen des Investors, zusammen mit der Bauverwaltung vom Lärmschutz bis zur Verkehrsführung akzeptable Varianten anzubieten, nur zu begrüßen. Dass die Kreuzung Alfred-Oelßner-Straße / Stadtforststraße durch den von Lieskau und dem Krankenhaus kommenden Verkehr, jedoch auch als Hauptausfallstraße Richtung Mansfelder Land schon seit Jahrzehnten überfordert ist, ist doch kein Argument für die Verweigerung des Anliegens der meisten jungen und vor allem der alten Dölauer, ihre Wohnqualität durch eine im Umkreis von 600 m zu erreichende Einkaufquelle zu erreichen. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der älteren Menschen auch in Dölau fast verdoppelt.

Sollten wir nicht den teilweise seit Generationen im Ort lebenden Senioren und deren Familien so viel Souveränität im Alter zubilligen, dass sie selber entscheiden, wo sie zum Einkaufen hingehen und welche Produkte sie selber auswählen und dass sie eben nicht darauf angewiesen sind, sich eine kostenintensivere und umweltbelastende Fahrgelegenheit zu suchen oder ihren Einkauf mitbringen zu lassen. Statt im Regen auf die Ankunft des Fleischerwagens zu warten, könnte man in einem Einkaufscenter auch die Nachbarschaftskommunikation viel besser pflegen. Da bekanntlich Konkurrenz das Geschäft belebt, wäre auch mit einer Nachfragesteigerung der beiden Einzelhändler in der Alfred-Oelßner-Straße zu rechnen und die Qualität des Nettomarktes dürfte sich unter dieser Konkurrenzsituation auch erhöhen. Viele Dölauer sehen übrigens auch den Vorteil einer Kaufhallenbebauung darin, dass eine abstoßende Brachfläche ordentlich gestaltet wird und zumindest ein paar Dölauer Fußwege dann dem üblichen Standard einer mitteldeutschen Großstadt angepasst werden.

Die Frage, welches Preissortiment die Kaufhalle dann führt, dürfte im Moment völlig nachrangig sein. Und der Wunsch, dass sich mehrere kleinere Händler in Dölau ansiedeln, ist nach dem großen Lädensterben nach der Wende einfach unrealistisch. Die Dölauer sollten deshalb alle einheitlich und gemeinsam für Dölau sein und darauf achten, dass die Stadtverwaltung zügig wenigstens dieses Projekt umsetzt, wenn es bei der Sanierung des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr oder beim Ausbau des Wege- und Straßensystems in Dölau schon nicht vorwärts geht.

Dr. Wissenbach, Dölau

Ausschnitte der Bürgerversammlung mit dem Beigeordnetem für Stadtentwicklung und Umwelt Uwe Stäglin sehen Sie im folgenden Videomitschnitt