1 Titel Portrais Hofer

Klaus-Jürgen Hofer

Beruf Tierfilmer
Geboren 1941
Gestorben 1987

Lebensdaten

Klaus-Jürgen Hofer
21.11.1941 – 14.01.1987

Peter Ibe, der erste hauptamtliche Naturschutzwart der DDR, bezeichnete Klaus-Jürgen Hofer als den „Grzimek der DDR“. Den Namen des in Marienwerder (heute Kwidzyn, Polen) geborenen Tierfilmers findet man immer wieder, wenn man in Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Natur- und Tierfotografie blättert. Selbst in rückblickenden Bewertungen über den DDR-Tierfilm heißt es: „Fernsehserien wie Tierparkteletreff, Der gefilmte Brehm, Rendezvous mit Tieren, Waidmannsheil oder Einzelsendungen z. B. von Klaus Meinhardt und Klaus-Jürgen Hofer waren bei den Zuschauern beliebt.“

Kindheit in Dölau

Klaus-Jürgen Hofer kam mit den vielen Flüchtlingen am Ende des Zweiten Weltkrieges aus seiner westpreußischen Geburtsstadt nach Dölau. Die Mutter des vierjährigen Jungen war schon früh verstorben, sodass er mit seinem Vater und dessen Bruder in unserem Ort eine neue Heimat fand.
Der weitere Werdegang des Jungen unterschied sich sicherlich nicht von dem anderer Kinder. Ehemalige Mitschüler der Dölauer Schule erinnern sich, dass er ein besonderes Interesse an Pflanzen und Tieren hatte. In der heimischen Wohnung wurde von den Erwachsenen sehr viel Wert auf Grün, Pflanzenzucht und deren Pflege gelegt. Ein Anziehungsobjekt für den jungen Klaus-Jürgen waren die hiesigen Aquarien. Mit Ausdauer beobachtete er das Verhalten der Fische in dieser gläsernen Welt.
Von seinem Onkel angeregt, der ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf war, zog es ihn mit einem Fotoapparat in die Dölauer Heide, um Tiere zu fotografieren. Da die Heide von der Wohnung in der jetzigen Wilhelm-Biel-Straße in Blickweite lag, war es nur ein Katzensprung dorthin. Dieses Hobby faszinierte ihn offensichtlich schon als Junge und er zog es allen anderen Freizeitbeschäftigungen vor.

Ausbildung und Skisport

Ob in den Schuljahren von 1948 bis 1956 bereits der Wunsch entstand, einmal Tierfotograf zu werden, wäre reine Spekulation. Zumindest hat er sich nach der 8. Klasse (an der Dölauer Schule wurde zu dieser Zeit nur bis zur 8. Klasse unterrichtet) für den Abschluss der Mittelschule in Halle entschieden. Nach der 10. Klasse begann er eine Lehre als Fernsehmechaniker und arbeitete bei der „PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) Radio und Fernsehen“ in Halle.
Während der Lehre wandte sich Klaus-Jürgen Hofer einem neuen Hobby zu. Einer seiner sportbegeisterten Nachbarn gewann ihn für den Skisport. Er wurde Mitglied der BSG Einheit Mitte Halle, Abteilung Wintersport. Eine sicherlich ungewöhnliche Sportart für unsere Breiten. Aber beim ASK (Armeesportklub) Oberhof organisierte der hallesche Sportverein Skiroller. Diese wurden für die jungen Sportler das Trainingsgerät in den Zeiten ohne Schnee. Mancher Bewohner der heutigen Otto-Kanning-Straße erinnert sich noch, wie Klaus-Jürgen Hofer mit einer Bleiweste umschnürt, schwitzend, die in dieser Zeit noch wenig befahrene Straße auf und ab fuhr.
Die Haupttrainingsstrecke für die insgesamt vier trainierenden Dölauer waren jedoch die asphaltierten Wege in der Dölauer Heide. Als Klaus-Jürgen Hofer in die Männerklasse aufsteigen konnte, bildeten die Sportler eine eigene Staffel. Immerhin erkämpften die vier Amateure bei den von der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) organisierten Bezirksmeisterschaften 1967 den Bezirksmeistertitel (Bezirk Halle). Zwar gab es Bestrebungen seitens des ASK Oberhof, die Amateure für eine intensive Ausbildung im Biathlon in Oberhof zu gewinnen, aber die Sportler entschieden sich dagegen.

Tierfilmer

Noch vor seinem 30. Geburtstag wendete sich Klaus-Jürgen Hofer wieder seiner einstigen Leidenschaft zu. Seine Tierbeobachtungen gingen nun über die Dölauer Heide hinaus. Die Liebe zur Natur führte ihn in interessante Landschaften der DDR.
Mit dem Abkommen über den visafreien Reiseverkehr zwischen der DDR und Polen ergaben sich für den Amateurfotografen ab Januar 1972 neue Möglichkeiten. Schon als Kind hatte er den leidenschaftlichen Erzählungen von Vater und Onkel über die Schönheit seiner ursprünglichen Heimat aufmerksam zugehört und eine gewisse Neugier entwickelt. Nun konnte er sich selbst unbürokratisch von der Schönheit der Masuren und deren Tierwelt überzeugen.
Vorerst waren Reisen in diese Gebiete zeitlich begrenzt. Neben seinem Beruf blieben für solche Interessen nur die Wochenenden und die Urlaubszeit. Eines seiner ersten Projekte, die er umsetzte, war ein Film über die Großtrappen und Biber. Hier arbeitete er mit dem anfangs zitierten Peter Ibe zusammen. In Peter Ibe fand er einen Gleichgesinnten, der ihn und seine damalige Lebenspartnerin in die Masuren begleitete. Dieser sagte in einem Interview: „Ihm (Hofer) habe ich das Faible für die 6×6-Fotografie zu verdanken.“
Ein weiterer wichtiger Reisebegleiter war seine Dresdner Spiegelreflexkamera „Pentacon six“. Diese ergänzte er später durch zwei 16-mm-Filmkameras AK 16 aus Jena und ein polnisches Tonbandgerät.

Fernsehen und Buchverlage

Seine im Film festgehaltenen Tieraufnahmen weckten in diesen Jahren die Aufmerksamkeit des Fernsehens. Mit der Erweiterung des Fernsehprogramms und dem steigenden Interesse der Zuschauer für Tiersendungen fand er hier einen Abnehmer seiner Filme und Dokumentationen. Es ist zu vermuten, dass dieses Interesse Klaus-Jürgen Hofer inspirierte, seine Tierbeobachtungen auszudehnen.
Glück hatte er offenbar bei seinem Arbeitgeber, der ihm die Möglichkeit gab, seinen Urlaub so zu gestalten, dass längere Expeditionen möglich wurden. Um die notwendige Aufnahmetechnik, Ausrüstung und Lebensmittel zu transportieren, kaufte er sich einen Lada und einen speziellen Anhänger. Diese Sonderanfertigung baute ihm der Dölauer Handwerksmeister Karl-Heinz Zeidler.
Die Möglichkeit, seine Filme und Berichte dem Fernsehen zu verkaufen, führte schließlich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu der Entscheidung, sein Hobby zum Beruf zu machen. Inzwischen hatte er einen innerbetrieblichen Lehrgang an der Betriebsakademie des Fernsehens absolviert, um seine Kenntnisse zur Kamera- und Aufnahmetechnologie zu erweitern.
Positive Resonanz fanden seine Arbeiten über Gegenden an der Ostsee beim Brockhaus Verlag in Leipzig. Dieser wurde Hauptpartner von Hofer. Im Buchhandel erschienen mehrere Auflagen dieser Bildbände. Begleiter seiner Reisen waren neben seiner Lebensgefährtin auch Freunde und Bekannte, wie z. B. Uwe Steinweg und Wolfram Taubert. Bei umfangreicheren Planungen engagierte er sogar Mitarbeiter des Fernsehstudios Halle.
Seine Arbeiten wurden in diesen Jahren nicht nur im Fernsehen, sondern auch in wissenschaftlichen Fachkreisen bekannt. So begleitete er als Kameramann unter anderem Exkursionen von Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle in die Mongolei. Diese und andere Reiseberichte liefen dann im Ersten Programm des DDR-Fernsehens und im Bayerischen Fernsehen.

Tod

Bei einem Klassentreffen im Jahr 1986 im Dölauer „Café Hartmann“, dem heutigen Waldhotel, berichtete er seinen ehemaligen Mitschülern noch von seinen weiteren Projekten. Eine Planung, die er nicht mehr umsetzen konnte. Bei den üblichen Vorbereitungen und einer damit verbundenen Fahrt nach Berlin wurde er im Januar 1987 Opfer eines Verkehrsunfalls. Dieser ereignete sich auf der Autobahn in der Nähe von Dessau. Der zu dieser Zeit mit Frau Andrea und den Söhnen Thilo und Falk in Lieskau wohnende Klaus-Jürgen Hofer verstarb im Alter von 45 Jahren noch am Unfallort.

Werke (Auswahl)

Bücher:

  • Haustiere, VEB Postreiter Verlag Halle 1978
  • Im Donaudelta, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1979
  • Ein Jahr in Masuren, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1981
  • Zauberfalter, Bilderbuch (Mitautor Winfried Völlger), VEB Postreiter Verlag Halle 1981
  • Haustierkinder, VEB Postreiter Verlag Halle 1982
  • Rügen – Bilder einer Insel, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1985
  • Fischland, Darss, Zingst, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1986

Filme und Fernsehbeiträge:

  • Königsfischer Eisvogel, 1978
  • Auf den Spuren des Elbe-Bibers, 1979
  • Faszination Donaudelta (3 Teile), 1979-1980
  • Naturschutzgebiete unserer Heimat (Teile 1 und 3), 1981
  • Im schönsten Tal des Pamir (3 Teile), 1981-1985
  • Mongolische Landschaften, sechsteiliger Reisebericht, 1986
  • Einzelbeiträge in Sendungen wie Tierparkteletreff, Der gefilmte Brehm, Rendezvous mit Tieren, Waidmannsheil

Quellen und Dank

Quellen:
1) Mitteldeutsche Zeitung, 04.03.2019
2) www.artechock.de/dokfestival/2001/programm/ddr.htm

Bildnachweis: Foto 1, 5, 6 Archiv Uwe Steinweg; Foto 2, 3 Archiv Elvira Troll; Foto 4 Archiv Werner Thum

Ein besonderer Dank für die umfangreichen Informationen zum Leben von Klaus-Jürgen Hofer gilt Renate Pforte, Elvira Troll, Gunther Beck, Uwe Steinweg, Werner Thum und Wolfram Taubert.
Bernd Wolfermann, Januar 2020