Gerhard Neumann
Lebensdaten
Gerhard Neumann
21. Februar 1930 – 24. August 2002
Entdeckung
Als der „Verein für Friedhofskultur in Halle und dem Umland e. V.“ am 20.10.2013 eine Führung auf dem Dölauer Friedhof mit Dr. Walter Müller durchführte, verweilte die Gruppe der Geschichtsinteressierten an einem Grab mit der Aufschrift: Gerhard Neumann. Zur Überraschung vieler Anwesender erfuhr man, dass dies die letzte Ruhestätte eines bekannten Schriftstellers ist.
Wer war Gerhard Neumann? Das Glück führte uns mit seiner Frau Margrit Lenk zusammen, die uns Einblick in sein Leben gab:
Lebenslauf
Er war kein Ur-Dölauer. Viele Wohnungswechsel lagen – berufsbedingt – hinter ihm, als er 1977 mit Familie nach Halle kam. Ab 1988 – schon im Rentenalter – bis zu seinem Tod lebte er in Dölau. Doch diese Jahre waren für ihn besonders fruchtbare. Die Wohnbedingungen, das Umfeld – für seine Tätigkeit boten sich hier die besten Voraussetzungen.
In Köthen geboren, wurde Gerhard Neumann nach dem Abitur Schauspieler. Später kam ein Diplom als Theaterwissenschaftler hinzu. Schon mit 22 Jahren setzte man ihn – nach einer Schauspieler- und Dramaturgentätigkeit in Bernburg – als Intendant in Staßfurt ein. Doch bald startete er mit seinem Freund und Kollegen Hans-Albert Pederzani eine Karriere im Krimi-Genre.
„Die Premiere fällt aus“ hieß der erste Bühnen-, Roman- und Filmerfolg des Duos, das sich A. G. Petermann nannte und den frühen DDR-Krimi entscheidend mitgeprägt hat. Es gab wohl keine Bühne dieses Landes, auf der „Die Premiere“ nicht ausfiel.
DEFA und Krimis
Vom Theater wechselte Gerhard Neumann zum Film, wurde Dramaturg bei der DEFA und schrieb eine Reihe Filmdrehbücher – darunter natürlich auch solche für Kriminalfilme. Er blieb, dann ohne seinen Partner, dem Krimi-Genre treu bzw. kehrte – nach neuerlichen Ausflügen ans Theater (als Intendant in Halberstadt, Quedlinburg, Eisleben) und recht erfolgreichen Versuchen mit dem „großen Roman“ („Ich kannte Carabas“) – wieder dorthin zurück.
Kriminalromane, die hohe Auflagen erreichten, entstanden. In seiner Dölauer Zeit kamen etliche humorige Kriminalerzählungen hinzu, vielfach mit deutlichem Halle-Bezug, und beachtliche historische Krimis, die in der Berliner Lebewelt der „Goldenen Zwanziger“ spielen. Zudem trat er mit theoretischen Arbeiten zum Genre und mit Kritiken zu neu erschienenen Krimis im Rundfunk hervor.
„Abgesang“ hieß sein letzter Kriminalroman. Und mit dem unterhaltsam-besinnlichen Büchlein „Vorkommnisse – Notate aus siebzig Jahren“ nahm er Abschied von seinen Lesern.
Nachruf (Zitat)
In einem Nachruf seines Schriftstellerkollegen Jan Eik heißt es:
„Gerhard Neumann, Träger des Georg-Friedrich-Händel-Preises, war ein besonders sprachbegabter und engagierter Schriftsteller, der dank seiner Kollegialität und seiner brillanten Formulierungskunst in der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur schnell Anerkennung fand. Im April 2002 ehrte dieses SYNDIKAT in München Neumanns Lebenswerk mit dem Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren. Mit seinem Tod hat der deutschsprachige Krimi eine seiner interessantesten Stimmen eingebüßt.“
Werke (Auswahl)
Werke (Auswahl):
- 1952: Die Premiere fällt aus, Kriminalstück (als A. G. Petermann), Berlin
- 1956: Treffpunkt Aimee, Kriminalfilm, DEFA
- 1956: Die Premiere fällt aus, Kriminalroman (als A. G. Petermann), Berlin
- 1957: Spur in die Nacht, Kriminalfilm, DEFA
- 1958: Die Hunde bellen nicht mehr, Kriminalroman (als A. G. Petermann), Berlin
- 1962: Export, Kriminalroman, Berlin
- 1979: Die Reussische Gemme, Kriminalroman, Halle/Leipzig
- 1980: Waterloo, Kriminalroman, Halle/Leipzig
- 1983: Ich kannte Carabas, Roman, Halle/Leipzig
- 1986: Koppenreuter kommt nicht, Roman, Halle/Leipzig
- 1988: Die Vermummten – 33 Stenogramme um einen Mord, Kriminalroman, Halle/Leipzig
- 1990: Abgesang, Kriminalroman, Halle/Leipzig
- 1991: Feuerspuren, Kriminalroman, Berlin
- 1996: Polnisches Gold, Kriminalroman, Berlin
- 1996: Ritter, Tod und Teufel, sieben gesammelte Kriminalerzählungen, Halle
- 1998: Mord total, Kriminalroman, Berlin
- 2001: Abgesang, presto …, Kriminalroman, Halle
- 2002: Vorkommnisse – Notate aus siebzig Jahren, Halle
(Der Nachlass von Gerhard Neumann befindet sich im Stadtarchiv Halle/S.)
