1 Neutsch 2012

Erik Neutsch

Beruf Schriftsteller
Geboren 1931 in Schönebeck
Gestorben 2013 in Halle (Saale)

Lebensdaten

Erik Neutsch
21. Juni 1931 – 20. August 2013

Besonders die Generationen, die in der DDR aufwuchsen, kennen seinen Namen. Aber auch nach der Wende, als die Beiträge über die in der DDR verbotenen Filme aufkamen, rückte sein verfilmter Roman „Spur der Steine“ mit Manfred Krug in die Schlagzeilen der Medien. Erik Neutsch hat sich vor Jahren in Dölau niedergelassen und arbeitete intensiv an den letzten zwei Bänden seines Zyklus „Friede im Osten“, der einmal 6 Bände umfassen sollte.

Biografie (Zitat Wittich)

Frau Dr. Evelin Wittich beschreibt anlässlich des 80. Geburtstages von Erik Neutsch in einer Veröffentlichung das Leben des Schriftstellers wie folgt:
Erik Neutsch wurde am 21. Juni 1931 in Schönebeck an der Elbe als Kind in einer sozialdemokratisch geprägten Arbeiterfamilie geboren. Die Erzählungen seines Vaters zum Beispiel über die Verbrüderung mit den Russen 1917 an der Ostfront oder darüber wie es war, wenn gestreikt wurde und er (der Vater) als Angehöriger der Streikführung dem Großvater als Streikbrecher gegenüberstand, hinterließen tiefe Spuren bei dem Jungen. Dennoch ließ er sich durch die Nazis verführen und träumte von einem Nibelungenreich in einem Großdeutschland. Der 1943 verstorbene Vater konnte es nicht verhindern. Mit 14 ½ Jahren kam er unter Werwolfverdacht für ein Dreivierteljahr in ein Gefängnis des NKWD, aus dem er mit eigenen Worten als ein anderer Mensch herauskam.
Neutsch trat 1947 in die FDJ und 1949 in die SED ein, studierte von 1950 bis 1953 Gesellschaftswissenschaften, Philosophie und Publizistik an der Universität Leipzig, wo er als Diplom-Journalist abschloss. Anschließend arbeitete er als Kultur- und Wirtschaftsredakteur bei der Bezirkszeitung „Freiheit“ in Halle von 1953 bis 1960. Seine Leidenschaft war und ist das Schreiben – auch über den täglichen Journalismus hinaus. So erschienen Anfang der 60er-Jahre seine ersten Erzählungen und 1964 der Roman „Spur der Steine“, der mehr als 500.000-mal verkauft wurde.
Neutsch war dem Theater sehr verbunden, schrieb 1971 das Schauspiel „Haut oder Hemd“, das am Landestheater Halle Premiere hatte, und im gleichen Jahr das Libretto für die Oper „Karin Lenz“. Im Jahr 1974 beginnt er mit dem Romanwerk „Der Friede im Osten“, das vor dem historischen Hintergrund der Jahre 1945 bis 1990 den Werdegang seiner Generation gestaltet, die untrennbar mit der Entwicklung der DDR verbunden war. Vier Bücher sind erschienen und an dem fünften arbeitet er zur Zeit.
Die Planung und Realisierung seiner Werke nahm mitunter Jahrzehnte in Anspruch und Neutsch begab sich oft in die Lebensumstände seiner Romanhelden. So arbeitete er zum Beispiel auf dem Bau, ging in die Nationale Volksarmee und war im Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld tätig. Er betrachtet die Autoren Büchner und Forster, die sich für die Interessen der Plebejer einsetzten, als seine literarischen Vorfahren und eines seiner großen Vorbilder ist Scholochow. Ihn faszinierten seine Professoren, zu denen Ernst Bloch, Fritz Behrens, Ernst Engelberg, Wieland Herzfelde und andere gehörten.

Selbstzitat Neutsch

Über seinen Anspruch an seine Literatur schreibt Erik Neutsch:
„Meine Figuren müssen konkret sein, realitätsbezogen und dazu gehört nun mal ihr gesamtes soziales Umfeld, das durch kaum ein anderes so geprägt wird, wie durch die Arbeit. Nur so, durch sein Tätigwerden bis ins Detail, wird ein Zimmermann zum Zimmermann, eine Architektin zur Architektin oder gar … ein Hirt zum Hirten. An seiner Arbeit lässt sich letztlich auch der Charakter eines Menschen messen. Und wie man sehen kann, habe ich in all meinen Büchern zumindest die Hauptperson immer wieder in ihrer Produktivität gezeigt … Wollte ich darauf verzichten, auf die Soziologie der schönen Details, wäre es, als beschriebe ich einen Menschen nur zur Hälfte, nicht einmal das, nur als seinen Schatten. Für meine dem Realismus verhaftete Auffassung begänne da eine Literatur des lebens- und weltfremden Nichtssagens, entweder des Elitären oder des Klischees.“

Werke (Auswahl)

Werke von Erik Neutsch:

  • Die Regengeschichte, Halle (Saale) 1960 (Erzählung)
  • Bitterfelder Geschichten, Halle (Saale) 1961 (Erzählband)
  • Die zweite Begegnung, Halle (Saale) 1961 (Erzählung)
  • Spur der Steine, Halle (Saale) 1964 (Roman)
  • Die anderen und ich, Halle (S) 1970 (Erzählband)
  • Olaf und der gelbe Vogel, Berlin 1972 (Kinderbuch)
  • Haut oder Hemd, Halle 1972 (Schauspiel)
  • Auf der Suche nach Gatt, Halle (Saale) 1973 (Roman)
  • Karin Lenz, Berlin 1972 (Libretto zur Oper von G. Kochau)
  • Tage unseres Lebens, Leipzig 1973 (Erzählband)
  • Der Friede im Osten, Halle (Saale), Romanzyklus: 1. Buch: Am Fluß, 1974 2. Buch: Frühling mit Gewalt, 1978 3. Buch: Wenn Feuer verlöschen, 1985 4. Buch: Nahe der Grenze, 1987
  • Heldenberichte, Berlin 1976 (Gesammelte Erzählung)
  • Der Hirt, Halle (Saale) 1978 (Erzählung)
  • Fast die Wahrheit, Berlin 1979 (Essays)
  • Zwei leere Stühle, Halle 1979 (Novelle)
  • Forster in Paris, Halle 1981 (Historische Erzählung)
  • Da sah ich den Menschen, Berlin 1983 (Lyrik und Dramatik)
  • Claus und Claudia, Halle 1989 (Erzählung)
  • Totschlag, Querfurt 1994 (Roman)
  • Vom Gänslein, das nicht fliegen lernen wollte, Leipzig 1995 (Kinderbuch)
  • Die Liebe und der Tod, Halle an der Saale 1999 (Gedichte)
  • Nach dem großen Aufstand, Leipzig 2003 (Roman über Grünewald)
  • Verdämmerung, Kückenshagen 2003 (Essayistische Erzählung)

Quelle

Auszüge der Veröffentlichung von Frau Dr. Evelin Wittich zum 80. Geburtstag von Erik Neutsch auf den Seiten der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Berlin, den 21.6.2011