bei Halle an der Saale
Willkommen in Dölau
Geschichten von Dölau
Auf dieser Seite werden Geschichten, Überlieferungen und Tatsachen zu lesen sein. Gleichzeitig werden Sie neben Erlebnisberichten von Dölauer Einwohnern, auch Veröffentlichungen und Meinungen zu bestimmten Problemen finden. Heute geht es um ...
                                                                                           Bisher veröffentlicht: Bernd Wolfermann, Geschichte über die Entdeckung der Kohle in Dölau Bernd Wolfermann, Das erste buddhistische Haus von Deutschland in Dölau Günter Hübner, Unser Haus und die Bombe Dr. Jörg-Thomas Wissenbach, Die Geschichte von Dölau in den Dölauer Heften Bernd Wolfermann, Das Orts-Statut (Straßenreinigung) von Dölau aus dem Jahr 1908 Dr. Jörg-Thomas Wissenbach, Kleines Dorf mit viel Kirche Dr. Walter Müller, Führung über den Dölauer Friedhof (Videoaufzeichnung durch Bernd Wolfermann) Dr. Christian Richter, Der Architekt des Dölauer Krankenhauses Dr. Jörg-Thomas Wissenbach,  Dölauer Kleingartenvereine Bernd Wolfermann, Video vom Tag des Geotops in Dölau Jurina Augustin / Bernd Wolfermann - Eine Dölauer Schweinegeschichte (Juni 2018)                    
Erinnerungen Ich   bin   im   Umfeld   des   heutigen   oberen   Imkerweges   von   Dölau   aufgewachsen.   Das   ist   das   Gebiet   zwischen   dem   Weg   „Am Birkenholz“   und   dem   Kirschberg   im   Osten   bzw.   dem   „Birkenhölzchen“   im   Süden   und   dem   Gleiskörper   der   Hettstedter   Eisenbahn. Während   des   zweiten   Weltkrieges   wurde   ich   hier   geboren   und   in   den   1950er   Jahren   war   diese   Gegend   mein   Lebensbereich.                    Vor   dem   Krieg   waren   hier   sieben   Einfamilienhäuser,   kleine   sogenannte   Siedlungshäuschen   mit   Stallgebäuden   entstanden.   Hinter den   Häusern   oder   in   unmittelbarer   Nachbarschaft   lagen   Gärten   oder   weitere   landwirtschaftlich   genutzte   Flächen.   Diese   hatten   eine wichtige    Bedeutung    für    die    Versorgung    der    hier    lebenden    Dölauer.    Jede    Familie    hatte    zudem    einen    kleineren   Tierbestand.                                      Der   musste   gefüttert   und   gepflegt   werden.   Natürlich   reichte dieser     Besitz     nicht     zur     vollständigen     Versorgung     der Familien.   Als   Ergänzung   gab   es   zu   jener   Zeit   sogenannte Lebensmittelkarten.   Diejenigen   mit   Ackerfläche   und   Vieh liefen     unter     dem     Namen     „Selbstversorger“.     Deshalb wurden         Viehzählungen         durchgeführt         und         die Bearbeitungsflächen   erfasst.   Im   Ergebnis   dieser   Kontrollen errechnete    man    einen    Eigenanteil    und    reduzierte    die Lebensmittelkartenzahl.   Unser   Vater   war   nach   dem   Krieg als   Hufschmied   im   Gut   Salzmünde   beschäftigt.   Da   er   nur einen   Wochenlohn   von   50   Ostmark   hatte,   wurde   er   zusätzlich   mit   einem   Deputat   (landwirtschaftliche   Erzeugnisse   z.B.   Weizen) vergütet,   was   auch   bei   der   Berechnung   der   Lebensmittelkarten   herangezogen   wurde.   Es   gab   nichts   für   umsonst!   Teilweise   war man   bei   Überschreitung   einer   bestimmten   Tierzahl   sogar   zur   Abgabe   von   Fleischerzeugnissen   verpflichtet.   Da   war   es   nicht ausgeschlossen,   dass   bei   Kontrollen   staatlicher   Organe   nach   einem   Schlachttag   die   wahre   Fleischmenge   geheim   gehalten   und einige   Würste   in   getarnten   Räucherkammern   versteckt   wurden.   Viel   war   es   nicht!   Und   im   Überfluss   lebte   man   damit   nicht.   Um   die Versorgung   der   Bevölkerung   mit   Eiern   zu   verbessern,   gab   es   die   Möglichkeit   überzählige   Eier   zu   verkaufen.   Ich   kann   mich   noch   an eine   Frau   aus   Halle   erinnern,   die   manchmal   mit   Heringen   vorbeikam.   Von   der   Hettstedter   Eisenbahn   nach   Dölau   gebracht,   hatte sie   einen   kurzen   Weg   vom   Dölauer   Bahnhof   bis   zu   unserem   Haus.   Die   Heringe   tauschte   sie   gegen   Eier   ein   und   wurde   deshalb   von uns   Kindern   als   „Heringsjule“   bezeichnet.   Ich   sehe   sie   heute   noch   mit   einer   Kopfbedeckung   auf   dem   Sofa   in   der   Küche   sitzen,   die für   uns   wie   ein   Turban   aussah.   Die   Beschaffung   von   Lebensmitteln   hatte   neben   der   beruflichen   Tätigkeit   Priorität.   Wir   litten,   was die   Ernährung   betraf   keine   Not.   Aber   von   allein   kam   nichts   auf   den   Tisch.   Neben   der   erwähnten   Ackerfläche   und   den   Hühnern hielten   meine   Eltern   in   den   Stallungen   ein   Schwein,   eine   Ziege,   Enten,   Gänse,   Kaninchen   und   Tauben.   Mehr   konnte   man   sich   aus Platzgründen   oder   von   der   zur   Verfügung   stehenden   Futtermenge   nicht   leisten.   Diese   kleine   Landwirtschaft   war   im   Krieg   und   noch in   den   50er   Jahren   für   Dölau   typisch   und   nicht   außergewöhnlich.   Durch   die   Bodenreform   im   Jahre   1946   hatten   zahlreiche   Dölauer Familien   ein   kleines   Feldstück   zur   Bearbeitung   erhalten   und   konnten   sich   Haustiere   zur   eigenen   Versorgung   halten.   Von   Freizeit   im heutigen   Sinne   konnte   in   diesen   Jahren   keine   Rede   sein.   Urlaub   war   ein   Fremdwort.   Das   Vieh   musste   gefüttert,   gemolken   und ausgemistet   werden.   Das   Verschneiden   der   Klauen,   was   mein   Vater   als   gelernter   Hufschmied   perfekt   beherrschte,   als   auch   das Schlachten   der   Kleintiere   gehörte   ebenfalls   zur   Heimarbeit.   Nur   zum   jährlichen   Schlachten   des   Schweines   musste   ein   Fleischer herangezogen   werden.   Parallel   dazu   prüfte   ein   Fleischbeschauer,   ob   das   geschlachtete   Schwein   frei   von   Krankheitserregern   war. Mit   dem   Mikroskop   prüfte   dieser   die   Fleischproben   z.B.   auf   Trichinenbefall.   Da   durfte   ich   als   Kind   öfter   einmal   einen   Blick   durch das   Okular   auf   die   Probe   werfen.   Ich   erinnere   mich   noch   heute   an   einen   Schlachttag.   Das   hing   damit   zusammen,   weil   ich   mit   dem Fleischbeschauer   einmal   in   der   Küche   am   Tisch   saß   und   meine   Hausaufgaben   machte.   Er   schlief   plötzlich   am   Tisch   ein   und   beim Ausstrecken   seiner   Hand   kippte   seine   Tasse   mit   Kaffee   um   und   dieser   landete   auf   meinen   Schulheften.   Ich   habe   mich   als   Schüler schon   immer   geschämt,   wenn   Schmutz-   oder   Fettflecken   auf   Büchern   oder   Heften   entstanden.   Aber   meine   große   Schwester Johanna   und   meine   Mutter   haben   sich   damals   etwas   einfallen   lassen   und   mich   vor   einer   peinlichen   Situation   in   der   Schule bewahrt.Doch   zurück   zum   Thema   Freizeit   und   Urlaub.   Seinen   Jahresurlaub   nahm   mein   Vater   stets   im   September.   Diese   Zeit verbrachte    er    damit,    unser    Feld    neben    dem    Haus    umzugraben.    Dabei    wurde    der    Dung    und    Mist    der    sich    über    das    Jahr angesammelt   hatte   untergegraben.   Es   war   die   einfachste   und   billigste   Variante   den   Boden   zu   düngen.   Dies   war   Vaters   Urlaub. Kein   Urlaub   am   Ostseestrand,   sondern   mit   dem   Spaten   in   der   Hand!   Blieben   nach   dem   Graben   einige   Stunden   übrig,   so   wurde diese    Zeit    genutzt    um    Schadstellen    am    Putz    des    Hauses    auszubessern    oder    da    und    dort    noch    Farbe    aufzubringen.                                                                                      Am   schönsten   war   es   jedoch,   wenn   mein   Vater   sich   eine   Pause   gönnte   und   mir   von   seiner   Heimat   erzählte.   Seine   Berichte   vom Heimatdorf   in   Oberschlesien   (heute   in   Polen   gelegen),   wie   er   als   Schmiedegeselle   durch   das   Land   gezogen   war   und   auf   „Walze“ ging   (Die   jungen   Leute   bezeichneten   damit   die   Wanderschaft   nach   Abschluss   ihrer   Lehre,   auf   der   Suche   nach   einem   zukünftigen Arbeitsplatz   bzw.   um   Erfahrungen   im   Beruf   zu   sammeln.).   Ich   erfuhr   auch,   dass   er   auf   diese   Weise   in   Dölau   bei   Verwandten landete,   hier   meine   Mutter   kennenlernte   und   beide   1937/38   auf   dem   Grundstück   meiner   Großeltern   am   damaligen   „Köllmer   Weg“ (heute   Imkerweg)   ein   kleines   Siedlungshaus   bauten.   Er   berichtete   darüber,   dass   dies   der   Anlaufpunkt   für   seine   Verwandtschaft wurde,   die   mit   dem   Ende   des   2.Weltkrieges   ihre   Heimat   verlassen   musste   und   sogar   aus   Platzgründen   auf   dem   Dachboden schlief.   Dieser   hatte   zu   jener   Zeit   zwar   Dielung   und   Fenster,   war   aber   nicht   weiter   ausgebaut.   Die   Dachziegel   lagen   frei   und   eine Isolierung   fehlte.   Dennoch   waren   alle   froh,   überhaupt   ein   Dach   über   dem   Kopf   zu   haben.   Heute   ist   das   sicherlich   für   viele   nicht mehr   vorstellbar,   dass   damals   13   Personen   in   dem   kleinen   Haus   untergebracht   und   ernährt   werden   mussten.   Mein   Vater   berichtete auch   von   der   Selbstverständlichkeit,   sich   beim   Stoppeln   (Suche   nach   Feldfrüchten   auf   den   abgeernteten   Flächen)   zu   beteiligen. Gekocht   wurde   in   der   Küche,   gegessen   aus   Platzgründen   teilweise   sitzend   auf   der   Treppe   zum   Hausboden.   Später   entspannte sich die Situation. Einige fanden in der Gemeinde eine Unterkunft bzw. zogen nach Westdeutschland weiter. Günter Hübner, März 2019
Foto: Bernd Wolfermann
      Teilansicht des oberen Imkerweges aus dem Jahr 1973           (Foto: Bernd Wolfermann)
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